Kürzlich habe ich wieder meinen geliebten Türlersee umrundet. Gemächlichen Schrittes bin ich am vertrauten Seeufer gewandert. Es ist mir vorgekommen, als ob ich ein Mandala mit den Füssen zeichnen würde. Der See ist nicht rund, eher oval. Dennoch erinnert er mich an ein Mandala, eingebettet in sanfte Hügel mit rostfarbigen Blättern an den Bäumen, die ihr buntes Herbstkleid bald abgelegt haben.
Selbst bei schwindender Farbenpracht habe ich immer wieder einen besonderen Ausblick auf den spiegelglatten See fotografiert, als ob ich in meiner grossen Sammlung noch einige neue Fotos von diesem See benötigte. Nun, es könnte ja sein, dass es diesmal ein ganz besonderes Foto ist, das ich einfangen möchte! So jedenfalls habe ich mich erneut überlistet, indem ich einige mystisch anmutende Stimmungsbilder fotografiert habe, die eine wohltuende Augenweide und Balsam für die Seele sind.
Balsam für die Seele! Ja, das suchen und brauchen wir mittlerweile alle. Ich erlebe in meinem Umfeld, wie sich der Corona-Alltag bei vielen Menschen sehr verändert hat. Kein Baustein steht auf dem andern wie früher, als die Tage fröhlich und in geordneten Bahnen daherkamen, und der Alltag so manche Wünsche mühelos erfüllen liess. Alles ist anders geworden und wird es wohl noch eine Weile bleiben.
Trotz aller Unbill und vielem wirtschaftlichen Leid durch unzählige Einschränkungen gibt es auch positive Aspekte, wie die Menschen in meinem Umfeld mit Corona umgehen. Wir werden auf uns selbst zurückgeworfen. All die verlockenden Angebote des unmittelbaren Genusses bleiben aus. Es gibt einstweilen keine Nonstopp-Wunscherfüllung und keine «Fluchtburgen» mehr.
Wir besinnen uns auf uns selber und fangen mit den eingeschränkten Aktivitäten etwas Neues an. Not macht erfinderisch. Ich beobachte in meinem Freundes- und Bekanntenkreis neue Steckenpferde. So werden zum Beispiel die Malutensilien nach einem jahrelangen Dornröschenschlaf wieder ausgegraben. Das spontane Texten, Fabulieren und Tagebuchschreiben bekommt wieder einen Stellenwert; die verstaubte Töpferscheibe im Keller wird hervorgeholt, und bei mir hat sich mittlerweile eine beachtliche Anzahl bemalter Steine angesammelt. Das Bemalen meiner selbst gesuchten See- und Flusssteine wirkt auf mich zentrierend und beruhigend. Mein vagabundierender Geist kommt dabei zur Ruhe, und mein oft zu grosser Medienkonsum wird automatisch eingeschränkt.

Weihnachten wird dieses Jahr bei vielen Menschen vermutlich anders aussehen. Ich werde mein alljährliches Adventsritual mit meiner Freundin wohl bewusster erleben. Irgendwann im Dezember wandern wir beim Einnachten zu «unserer» Waldhütte. Dort breiten wir ein hübsches Tuch und Servietten auf dem wackeligen Holztisch aus, zünden ein paar Kerzen an und packen unser im Rucksack verstautes Picknick aus: Lachsbrötchen, Weihnachtsguezli und Prosecco, in hübschen Gläsern natürlich. Beim Schein der Kerzen feiern wir Waldweihnachten und lauschen der Stille, die uns alljährlich berührt. Ich freue mich auf dieses Ritual.
Ruth Baumann, Oberlunkhofen
Mystik in diesen Worten. Danke ganz herzlich❤️
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oh, das freut mich sehr. Lieben Dank !
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Danke für diesen wunderbaren Text, der auf vielfältige Weise anregt die Zeit zu gestalten.
E schöni Adventszyt
Ursi Felber
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