«Weihnachten» – ist das nicht die Zeit der Erinnerungen und Traditionen, die Zeit der Vorbereitungen, der Vorfreude, der Geheimnisse und Gefühle? Die Zeit der Erinnerungen an die Jugend oder an Gegebenheiten, die sich durch die eigenen Kinder entwickelten und zur Tradition wurden? Vielleicht gehört auch eine Prise Melancholie dazu, freudiges Erwarten, geheime Wünsche – und dann ist er da: der Tag, an dem das Christkind kommt!
Nur, wie konnten wir das unseren kleinen Buben – damals waren sie ca. 3- und 5-jährig – vermitteln? Naturverbunden, packte ich die Kinder warm ein und ging mit Brot und Wurst bewaffnet in den nahen Wald zu «unserer» Feuerstelle. Wir suchten Feuerholz, und schon bald loderte ein wärmendes Cervelat-Feuer. An den langen, möglichst grünen Hasel-Stecken «brätelte» schon bald die mit eingeschnittenen Kerben versehene Wurst auf der heissen Glut. So verbrachten wir die Zeit in stiller Erwartung, derweil das Christkind (meine Frau) den Baum schmückte und die Geschenke unter den Baum legte. Riesig war das Staunen der Kinder, als nach dem Kleiderwechsel und Händewaschen wir alle die Wohnstube betraten und wirklich das Christkind da gewesen war. Unvergesslich das Leuchten der Kinderaugen!
So hielten wir es manche Jahre, und die Vorfreude der Jungs auf das Feuer und auf die Wurst war jedes Mal gross. Später, als das Christkind nicht mehr die gleiche Bedeutung für die heranwachsenden Kinder hatte, begleitete uns die Mutter ebenfalls zum Bräteln, da der Baum nun vorgängig gemeinsam geschmückt wurde. Aus den Kindern wurden Teenager, dann Lehrlinge, die Tradition behielten wir bei, ja: sie wurde noch «ausgebaut», indem nun noch in unserem alten Pfadikessel Glühwein zubereitet wurde. Manchmal war es bitterkalt, manchmal fast frühlingshaft warm, und am schönsten war es, wenn es sachte schneite. Noch später flogen die Kinder aus, hatten ihre eigene Wohnung oder waren im Ausland, und wir «Alten» hin und wieder alleine an Weihnachten. Trotzdem hielten wir an der Tradition fest – und siehe da: Plötzlich wurde die Runde grösser, die Freundinnen der Boys wurden ins Ritual miteinbezogen und «mussten» auch mit. Jedes Jahr war anders, jedes Jahr war besonders, und immer waren alle zufrieden, auch wenn wir mit dreckigen Schuhen und «geräuchert» heimkehrten. Und immer haben wir anschliessend an der Wärme zusammen ein friedliches Weihnachtsfest gefeiert.
Mittlerweile ist der Ältere längstens verheiratet und hat selbst eine Familie. Und was uns ganz besonders freut, ist die Tatsache, dass sich die Tradition auch in seiner Familie fortsetzte: Unser «Drei-Generationen-Würstebraten» im Wald geht weiter bis heute. Nun steht Weihnachten wieder vor der Tür. Ein ganz besonderes Jahr neigt sich dem Ende zu. Wenn immer möglich, werden wir mit Sohn, Schwiegertochter und den Enkeln – die mittlerweile selbst im Teenager-Alter sind – in den Wald gehen, unsere Würste bräteln und Glühwein trinken. Ob wir anschliessend auch zusammen zu Hause feiern werden, steht in den Sternen. Aber eines ist sicher: Draussen findet unsere gemeinsame Feier bei jedem Wetter statt!
Mitte September bin ich nach Spanien gezogen, um dort den Studiengang «Musical Theatre» am Institute of Arts Barcelona (IAB) zu studieren. Die Universität liegt in Sitges, einem kleinen, wunderschönen Städtchen am Meer, südlich von Barcelona.
Lange war ungewiss gewesen, ob die Universität das neue Studienjahr überhaupt starten darf, und ich befürchtete schon, dass ich mir einen Plan B ausdenken muss. Doch der Tag der Abreise rückte näher, die Schule blieb offen und mein Flug wurde nicht gestrichen. Ich war froh, dass die Einreise so reibungslos verlief, denn einige meiner Studienkollegen, die aus der ganzen Welt eingeflogen sind, mussten sich mehreren Hürden stellen.
Erst als ich in Spanien ankam, wurde mir bewusst, wie wenige Restriktionen wir Schweizer erdulden müssen. In Spanien wurde bereits im August die Maskenpflicht für alle öffentlichen Gebiete eingeführt. Diese Vorgaben gelten nicht nur für das Einkaufen, nein, auch draussen an der frischen Luft darf man sich nur geschützt mit Maske bewegen. Daran musste ich mich zuerst gewöhnen.
Die Restriktionen beeinflussen auch meinen Stundenplan, die Schule und die Lektionen negativ. Gleich zu Beginn wurde meine Klasse in kleinere Gruppen eingeteilt, mehrere Kurse wurden ganz gestrichen. Die einzelnen Module wurden unregelmässig über den ganzen Tag verteilt und alle Theorielektionen über Zoom angeboten, und wir müssen immer Maske tragen – auch beim Tanzen. Dies war und bleibt die grösste Herausforderung. Mein Studium beruht ja zum grossen Teil auf Bewegung und Körperarbeit, ich habe jeden Tag 3 bis 5 Stunden Tanz und Body-Conditioning. Da wird der Sauerstoff manchmal schon ein bisschen knapp. Ich komme am Abend öfters mit leichten Kopfschmerzen und Schwindel nach Hause, einzelne Tänzer wurden sogar ohnmächtig während des Unterrichts. Die Schule kann jedoch nichts dagegen unternehmen, denn der Staat schreibt die Maskenpflicht zwingend vor. Sollten wir die Regeln nicht einhalten, müsste die ganze Universität schliessen.
Das Maskentragen hat neben all den Unannehmlichkeiten auch eine positive Seite. Ich nehme wahr, wie mein Körper von Woche zu Woche stärker wird. Das Maskentragen trainiert meine Lungen und somit meine Ausdauer, und das Joggen an der frischen Luft ist kaum mehr anstrengend.
Leider leidet meine Stimme unter den neuen Corona-Vorgaben. Damit die Luft in den Studios immer frisch bleibt und zirkuliert, müssen die Klimaanlagen fortwährend eingeschaltet sein – egal wie kühl es draussen ist. Das Singen wird dadurch wesentlich erschwert, und viele Studentinnen und Studenten sind bereits während der ersten Wochen heiser geworden oder erlitten leichte Erkältungen. Studenten mit leichten Erkältungssymptomen dürfen aber nicht an den Lektionen teilnehmen und müssen unmittelbar einen Corona-Test beantragen. Dies führte einige Male zu Komplikationen. Sich darüber zu ärgern lohnt sich aber nicht, es ergeht ja allen gleich. Wir alle haben ein gemeinsames Ziel: Wir möchten unbedingt, dass die Schule geöffnet bleibt! Für diese Ziel nehmen wir alles in Kauf.
Im Oktober wurden die Restriktionen noch einmal verschärft: Alle Restaurants, Läden und Bars mussten schliessen, nicht mehr als 6 Personen dürfen zusammen sein, und es wurde eine Ausgangssperre nach 10 Uhr abends eingeführt. Zudem dürfen wir die Stadt bis auf Weiteres nicht mehr verlassen. Also kein Shopping in Barcelona. Das war dann der Moment, bei dem das Heimweh richtig eingesetzt hat. Zuvor war immer etwas los, ich wurde mit Tanzpartys oder Stranddinners abgelenkt, doch plötzlich waren wir am Wochenende am Abend allein zu Hause.
Ursprünglich hatte ich geplant, an den Wochenenden ab und zur nach Hause zu fliegen. Das Coronavirus machte mir jedoch einen gewaltigen Strich durch die Rechnung, denn die Einreise in die Schweiz würde für mich 10 Tage Quarantäne bedeuten. Da ich einen Freund in der Schweiz habe, fällt mir diese Einschränkung am allerschwersten. Ich fühle mich in der Situation gefangen.
Mitte November gab die Schule bekannt, dass die einheimische Bevölkerung nicht zufrieden sei mit uns Studierenden. Sie beschuldigten uns junge, ausländische Studenten, dass wir für die Verbreitung des Virus verantwortlich seien, und forderten, dass die Universität schliessen müsse. Obwohl in Katalonien alle Universitäten geschlossen wurden, erhielt IAB von der Regierung eine Spezialbewilligung, offen zu bleiben, da die Schule im Vergleich eher wenige Studierende hat und diese aus der ganzen Welt kommen und deswegen kaum Bekanntschaften und Kontakte ausserhalb der Schule haben.
Trotzdem spüren wir das Misstrauen der Bevölkerung. Die Polizei zirkuliert deshalb ständig um die Schule und kontrolliert die Einhaltung der Regeln. Dies sorgt für Unruhe und Unsicherheit. Ebenso wurde der Universität nun gedroht, dass die Schule schliessen müsse, sobald sie auch nur einen einzigen Corona-Fall hat. Dies setzt nun alle Beteiligten enorm unter Druck. Sobald eine Person hustet oder sich unwohl fühlt, erntet sie bestürzte und skeptische Blicke. Auch ich fühlte mich an einem Tag leicht kränklich, und sofort machte sich Panik in mir breit. Was ist, wenn ich diejenige bin, die das Virus trägt? Was ist, wenn gerade ich verantwortlich für die Schliessung wäre? Wie würden die anderen reagieren?
Trotz allem ist die Unterstützung hier an der Schule wunderbar. Ich fühle mich sicher und umsorgt. Das Lehrerteam ist in dieser Situation sehr unterstützend und einfühlsam.
Ich habe schon unglaublich viel gelernt und bin sehr dankbar, dass ich an dieser Schule studieren darf. Auch wenn mich das Studium mental und körperlich sehr anstrengt, ist das Arbeitsklima sehr angenehm. Meine Mitstudierenden sind toll, und es besteht zum Glück kein ausgeprägter Konkurrenzkampf, wie ich es befürchtet und auch von anderen Musical-Schulen vernommen habe. Das liegt vor allem daran, dass die Studierenden aus unterschiedlichen Verhältnissen und Ländern kommen. Wir haben die verschiedensten Typen, deren Ziel nach der Ausbildung bei allen an einem anderen Ort auf der Welt liegt.
Diese kulturelle Diversität bietet mir einen Einblick in unterschiedlichste Länder. Ich habe Mitschülerinnen und Mitschüler aus Brasilien, Kolumbien, Mexiko, Amerika, Schweden, Grossbritannien, Irland, Dominikanische Republik, Island, Frankreich, Niederlande, Slowenien, China, Polen und Portugal. Durch diese neuen Bekanntschaften lerne ich neue Sprachen, Lebenseinstellungen, Denkweisen und Bräuche kennen und darf sogar verschiedene Gerichte aus der ganzen Welt ausprobieren. Auch erfahre ich aus erster Hand, wie die Corona-Situation in anderen Ländern aussieht, und mir wird täglich bewusst, wie gut es uns in der Schweiz in dieser schwierigen Zeit geht.
Das Jahr 2020, und vor allem meine bisherige Zeit in Spanien, hat mich gelehrt, dankbarer zu sein. Ich lernte, kleine Dinge zu schätzen, und freue mich nur schon auf eine gemütliche Kaffeerunde in der eigenen Wohnung. Meinen Ausgleich zur Schule finde ich am Meer. Fast jeden Tag fahre ich entweder vor oder nach der Schule mit dem Fahrrad an den Strand, um Yoga zu praktizieren. Dies gibt mir die Gelegenheit, meine Balance wieder zu finden und meine Gedanken zu richten.
Ich schätze mich glücklich, dass ich über Weihnachten in die Schweiz fliegen kann – heim zu meiner Familie und zu meinem geliebten Freund. Ich freue mich unendlich fest darauf! Weihnachten hat deshalb dieses Jahr noch mehr Bedeutung für mich als zuvor. Dieses Jahr ist Weihnachten ein Wiedersehen und Zusammensein, und es wird ein Fest der Liebe und Geborgenheit. Ich werde dieses Jahr meine Liebsten noch mehr schätzen und werde noch dankbarer sein.
Können wir in der Hektik des Alltags ein besonderes Ereignis wahrzunehmen? Um eine Antwort auf diese Frage zu erhalten, führte die Zeitung «Washington Post» ein Experiment durch:
In einer U-Bahn-Station in Washington DC spielte ein Geiger. Er war gekleidet wie ein Strassenmusiker. Er spielte Stücke von Johann Sebastian Bach, Franz Schubert und anderen Komponisten. Hunderte von Menschen liefen an ihm vorbei. Einige wenige blieben kurz stehen, schauten zum Musiker. Aber die meisten Menschen hasteten vorbei, und es ist unklar, ob sie von der Musik des Geigenspielers etwas wahrgenommen haben.
Ein jüngeres Kind kam vorsichtig näher und schien zu lauschen. Die Mutter zog das Kind schon kurze Zeit wieder weg. Einige wenige Leute warfen im Vorbeigehen einen Geldbetrag in den Geigenkasten. Nach einer Stunde beendete der Musiker sein Spielen. Es gab keine Anerkennung und keinen Applaus. In seinem Geigenkasten lagen 32 Dollar.
Was die Leute nicht wussten: Der vermeintliche Strassenmusiker, der in der U-Bahn-Station die Hektik des Alltags mit wunderbaren Klängen zu verzaubern versuchte, war einer der jungen Stars unter den Geigenspielern – Joshua Bell. Er spielte auf seiner Stradivari-Geige Stücke, die er kurz zuvor in der ausverkauften Bostoner Symphony Hall gespielt hatte.
Bei seinem Auftritt dort war ihm die Aufmerksamkeit der anwesenden Konzertbesucher gewiss, und er erhielt auch die entsprechende Anerkennung und den Applaus für seine Leistung.
Doch zurück zur eingangs gestellten Frage. Hätten Sie in der U-Bahn-Station den Klängen des Geigenspielers gelauscht? Das Experiment macht deutlich, dass besondere Ereignisse einen angemessenen Rahmen benötigen.
Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir uns in der Hektik der Vorweihnachtszeit auch Momente der Ruhe gönnen, um über die Bedeutung nachzudenken, die Weihnachten für uns hat. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.
Während der ersten Welle der Corona-Pandemie haben wir erfolgreich «flatten the curve» praktiziert, um unser Gesundheitssystem zu schützen. Während dieser zweiten Welle und in der Vorweihnachtszeit praktiziere ich nun zusätzlich noch «flatten the stress curve» – die Stresskurve flach halten.
Die Pandemie-Situation führt uns als soziale Wesen in ein Dilemma: Einerseits sind wir von unserem Nervensystem daraufhin programmiert, mit anderen Menschen in Verbindung zu sein, um Sicherheit zu erfahren. Andererseits müssen wir gegenwärtig engen Kontakt mit anderen Menschen vermeiden, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Dieses Dilemma aktiviert auf neurobiologischer Ebene zwangsläufig unsere Stressreaktion. Im Moment können wir gut beobachten, wie wir als Kollektiv im Kampf-Flucht-Modus unterwegs sind und wie – bewusst oder unbewusst – unsere Wahrnehmung durch Angst dominiert wird. Unsere Wahrnehmung, unser Erleben und unser Handeln werden durch die Stressreaktion automatisch eingeengt, und wir versuchen, die Angst vor der unfassbaren Bedrohung mit fassbaren Meinungen oder mit Feindbildern zu reduzieren. Polarisierungen passieren und trennen.
Die Atmung ist ein untrüglicher Indikator für unseren inneren Zustand. Sobald die Atmung beschleunigt und flach wird, verstärkt sich auch die Aktivität des Herzens, und die Stressreaktion setzt durch die Aktivierung des autonomen Nervensystems ein. Gleichzeitig wird die Aktivität des sozialen Systems herabgesetzt. Wir werden zunehmend gereizt und fixieren uns auf Meinungen und Ansichten. Im Extremfall erstarren wir ganz und werden handlungsunfähig.
Der Atem ist denn auch der Ansatzpunkt, um unser autonomes Nervensystem in diesen herausfordernden Zeiten zu beruhigen und die Stresskurve flach zu halten.
Eine der wichtigsten Übungen hierzu ist die Bauchatmung. Man kann sie im Liegen, Sitzen oder Stehen durchführen. Legen Sie Ihre Hände auf den Bauch. Stellen Sie sich vor, dass Ihre Hände und der Bauch Freunde sind, die zueinander wollen. Atmen Sie ein und zählen Sie dabei auf vier. Atmen Sie aus und zählen Sie dabei auf sechs. Ziel ist, dass die Ausatmung länger ist als die Einatmung. Nehmen Sie wahr, wie sich Ihre Bauchdecke beim Einatmen hebt und beim Ausatmen wieder senkt. Meist klappt es nicht gleich zu Beginn, dass die Atmung im Bauchraum spürbar ist. Bleiben Sie dran und versuchen sie es immer mal wieder. Diese einfache Übung führt unmittelbar zu einer Abflachung der Stresskurve, weil unser autonomes Nervensystem durch die Verlangsamung des Ausatmens automatisch von einer sympathikotonen Aktivierung (Stress) in den parasymatischen Modus (Beruhigung) gelenkt wird. Seien Sie neugierig und probieren Sie es selbst aus.
Mit einem beruhigten autonomen Nervensystem sind wir viel angenehmere Zeitgenossen und verfügen über die notwendigen Kapazitäten, um unseren Mitmenschen mit viel Toleranz und Verständnis zu begegnen, was mir in dieser Zeit sehr wichtig scheint.
Zum Abschluss noch eine kurze Anekdote, welche ich kürzlich in einem Magazin gelesen habe:
Ein buddhistischer Mönch meditiert unter einem Baum. Da kommt die Pest vorbei und er fragt sie: «Wohin des Wegs?» Die Pest antwortet: «Ich gehe in die Stadt, um tausend Menschen zu töten.» Nach einer Zeit trifft sie auf dem Rückweg wieder den Mönch unter dem Baum. Er fragt die Pest: «Du hast gesagt, du würdest tausend töten – man berichtete mir aber, dass zehntausende Menschen gestorben sind.» Die Pest entgegnete dem Mönch: «Ich habe tausend getötet. Die anderen tötete die Angst.» (Psychoscope 6/2020).
In diesem Sinne: Halten Sie die Stresskurve flach in diesem Advent.
Kürzlich habe ich wieder meinen geliebten Türlersee umrundet. Gemächlichen Schrittes bin ich am vertrauten Seeufer gewandert. Es ist mir vorgekommen, als ob ich ein Mandala mit den Füssen zeichnen würde. Der See ist nicht rund, eher oval. Dennoch erinnert er mich an ein Mandala, eingebettet in sanfte Hügel mit rostfarbigen Blättern an den Bäumen, die ihr buntes Herbstkleid bald abgelegt haben.
Selbst bei schwindender Farbenpracht habe ich immer wieder einen besonderen Ausblick auf den spiegelglatten See fotografiert, als ob ich in meiner grossen Sammlung noch einige neue Fotos von diesem See benötigte. Nun, es könnte ja sein, dass es diesmal ein ganz besonderes Foto ist, das ich einfangen möchte! So jedenfalls habe ich mich erneut überlistet, indem ich einige mystisch anmutende Stimmungsbilder fotografiert habe, die eine wohltuende Augenweide und Balsam für die Seele sind.
Balsam für die Seele! Ja, das suchen und brauchen wir mittlerweile alle. Ich erlebe in meinem Umfeld, wie sich der Corona-Alltag bei vielen Menschen sehr verändert hat. Kein Baustein steht auf dem andern wie früher, als die Tage fröhlich und in geordneten Bahnen daherkamen, und der Alltag so manche Wünsche mühelos erfüllen liess. Alles ist anders geworden und wird es wohl noch eine Weile bleiben.
Trotz aller Unbill und vielem wirtschaftlichen Leid durch unzählige Einschränkungen gibt es auch positive Aspekte, wie die Menschen in meinem Umfeld mit Corona umgehen. Wir werden auf uns selbst zurückgeworfen. All die verlockenden Angebote des unmittelbaren Genusses bleiben aus. Es gibt einstweilen keine Nonstopp-Wunscherfüllung und keine «Fluchtburgen» mehr.
Wir besinnen uns auf uns selber und fangen mit den eingeschränkten Aktivitäten etwas Neues an. Not macht erfinderisch. Ich beobachte in meinem Freundes- und Bekanntenkreis neue Steckenpferde. So werden zum Beispiel die Malutensilien nach einem jahrelangen Dornröschenschlaf wieder ausgegraben. Das spontane Texten, Fabulieren und Tagebuchschreiben bekommt wieder einen Stellenwert; die verstaubte Töpferscheibe im Keller wird hervorgeholt, und bei mir hat sich mittlerweile eine beachtliche Anzahl bemalter Steine angesammelt. Das Bemalen meiner selbst gesuchten See- und Flusssteine wirkt auf mich zentrierend und beruhigend. Mein vagabundierender Geist kommt dabei zur Ruhe, und mein oft zu grosser Medienkonsum wird automatisch eingeschränkt.
Weihnachten wird dieses Jahr bei vielen Menschen vermutlich anders aussehen. Ich werde mein alljährliches Adventsritual mit meiner Freundin wohl bewusster erleben. Irgendwann im Dezember wandern wir beim Einnachten zu «unserer» Waldhütte. Dort breiten wir ein hübsches Tuch und Servietten auf dem wackeligen Holztisch aus, zünden ein paar Kerzen an und packen unser im Rucksack verstautes Picknick aus: Lachsbrötchen, Weihnachtsguezli und Prosecco, in hübschen Gläsern natürlich. Beim Schein der Kerzen feiern wir Waldweihnachten und lauschen der Stille, die uns alljährlich berührt. Ich freue mich auf dieses Ritual.
Lieber Gottvater, wir sind zusammen im Alltag unterwegs. Ich sitze an meinem Arbeitsplatz, vor mir ist das Lenkrad, seitlich sind die Rückspiegel angebracht.
Meine Aufmerksamkeit gehört meinen Sinnen… dem, was um mich auf diesem Weg passiert. Ich sehe und nehme viele Menschen, Gross und Klein pandemiebedingt mit Maske, wahr. Versuche, mittels Augenkontakt und Blinzeln zu erahnen, wie es den Menschen in dieser belastenden Zeit wohl geht. Die Augen und die Ausdrücke zu lesen. Ich beachte den Schilderwald, nicht den Tannenwald. Die Beleuchtung ist nicht funkelnd, sondern leuchtet rot oder grün, oder sie blinkt orange.
Ich muss zeitbedingt an der Haltestelle warten und erkenne Menschen, jung, alt, bunt, schrill, welche durch ihr Verhalten sich selber oder andere gefährden. Werde ganz ruhig und still. Da kommt mir ein treffender Gedanke in den Sinn: «Lieber Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann – Kraft und Mut, gerade auch in der Vorweihnachtzeit Dinge zu ändern, welche ich ändern kann und soll – und immer wieder (was nicht einfach ist!) die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.»
Als der Adventskranz erfunden wurde, hätte man ihn getrost als «brennenden Adventskalender» bezeichnen können. Da hatte er nämlich noch ganze 24 Kerzen! 20 kleine, weisse, die an den Werktagen anzuzünden waren, und für die Sonntage dann 4 grössere, rote. Der Theologe und Erzieher J.H. Wichern, der den Adventskranz 1839 in dieser üppigen Form einführte (die Kerzen auf ein Wagenrad gesteckt!), wollte damit den Kindern, die er in seiner Stiftung unterrichtete und auch beherbergte, die Zeit bis Weihnachten verkürzen: mit einem «Cherzli» jeden Tag. Da diese Kinder allesamt aus schwierigen, ärmlichen Verhältnissen stammten, stelle ich mir die Vorfreude auf Weihnachten bei ihnen besonders gross vor – ähnlich gross aber auch einfach die Freude an diesen täglichen «Licht-Blicken». Eine Auszeit vom Alltag.
Seither sind ganze 181 Jahre vergangen. Das Wagenrad der Zeit hat sich fleissig weitergedreht. Doch auch wenn die Welt – und mit ihr der Adventskranz – sich verändert hat: Die Weihnachtszeit ist bis heute eine besondere Zeit. Und dieses Jahr, meine ich, ist sie sogar besonders besonders. In die Vorfreude auf die Festtage mischen sich bei vielen von uns Unsicherheit und Ernüchterung, teils auch schlicht Müdigkeit. Wie wollen wir Weihnachten feiern? Wen laden wir ein, wen aus? Und wie kommunizieren wir unsere Wünsche so sachte wie möglich? Das Bedürfnis nach Sicherheit ist gross, jenes nach Zusammensein, gerade an Weihnachten, aber eben auch. Die Weihnachtszeit verlangt nach Tradition, die Umstände hingegen nach neuen Lösungen. Die Spannung, die sich daraus ergibt, lässt sich nur schwer (und auch nur individuell) auflösen. Manchen Menschen ist deshalb gar nicht zum Feiern zumute. Manchen sind die Festtage sowieso ein Graus. Und manche freuen sich trotzdem und vielleicht erst recht unbändig auf Weihnachten!
Liebe Leserin, lieber Leser: Dieser Adventskalender soll wie der Wichern-Kranz eine Art «brennender Adventskalender» sein. Er soll Ihnen die Zeit bis Weihnachten verkürzen, falls Ihnen diese zu lange vorkommt. Er soll Ihnen aber auch einfach jeden Tag einen Lichtblick bescheren, besonders wenn die Aussicht auf die Festtage Sie eher belastet. Wenn das eine oder das andere oder gleich beides gelingt, so freue ich mich – und so freuen sich mit mir auch alle lieben Menschen, die bis Heiligabend einen ganz persönlichen Beitrag zu diesem Projekt beisteuern: einen Erlebnisbericht, eine Geschichte, eine Erinnerung, ein Bild, eine Musikaufnahme… Ein «Cherzli» jeden Tag, sozusagen. Wie vor 181 Jahren.
Lassen Sie sich überraschen. Und haben Sie einen frohen Advent!
Auf www.cherz.li offerieren wir Ihnen dieses Jahr einen Online-Adventskalender. Da es dort keine Kommentarfunktion gibt, veröffentlichen wir die Beiträge jeweils zeitgleich auch in diesem Blog.
Hier können Sie also nicht «nur» mitlesen, sondern auch Rückmeldungen abgeben – Rückmeldungen an all die lieben Menschen aus dem Kelleramt, die je die kreative Gestaltung eines Türchens übernehmen. Und während der Adventskalender Ende Jahr abgeschaltet wird, bleiben die Beiträge hier auch darüber hinaus gespeichert.
Alles Weitere dann ab dem 1. Dezember. Auf www.cherz.li – und, eben, hier.
Die Schulen sind seit heute wieder geöffnet, die ersten Coronafrisuren haben sich bereits verflüchtigt, der gestrige Muttertag konnte mit dem obligaten Blumenstrauss aus dem wieder geöffneten Blumenladen begangen werden. Es ist offensichtlich: Wir befinden uns in einer neuen Phase der Corona-Pandemie. Weitere Lockerungen stehen bevor. Wenn alles gut geht, kehrt nun nach und nach vieles von dem zurück, was wir seit Mitte März vermisst haben.
Ich nehme diesen Entwicklungsschritt zum Anlass, das Projekt «Beisammen.ch» heute zu beenden.
Das Ziel des Blogs war es, die Isolation behelfsmässig zu überbrücken und anhand von Erfahrungsberichten von unterschiedlichsten Menschen aus der Region Kelleramt aufzuzeigen, dass wir nicht alleine sind in dieser Krise, dass es anderen ähnlich – oder ganz anders – geht und dass wir einander immer noch nahe sind, auch wenn wir physisch Abstand halten müssen. Dieses Ziel wurde mehr als erreicht.
Ich freue mich über das grosse Echo, das der Blog ausgelöst hat, und dass aus der spontanen Idee also etwas Sicht- und Fühlbares werden konnte: In den letzten 43 Tagen durften wir auf dieser Seite 50 Beiträge von 46 Personen (oder «Autoren-Kollektiven») veröffentlichen! 46 Menschen aus allen sechs Kellerämter Dörfern also haben die Türen zu ihren ganz persönlichen «Corona-Daheims» – zu ihren Corona-Erfahrungen und ihren Corona-Gedanken – sperrangelweit geöffnet und haben so mehrere hundert Besucher*innen an ihrem speziellen Alltag, ihren Beobachtungen, ihren Gefühlen teilhaben lassen. 46 Menschen haben uns Denkanstösse gegeben. Die Distanzen verringert. Uns Abwechslung geschenkt. Ja: Das waren wirklich Geschenke – jedes Mal!
Für diese Geschenke danke ich unseren Autor*innen von Herzen. Merci für eure ungeschminkte Ehrlichkeit, euren Mut, eure Kreativität, eure Zeit – und merci auch für die vielen berührenden Geschichten hinter den Geschichten, für euer Vertrauen: Manches Mal waren eure Begleitmails und der Austausch, der sich daraus ergab, (zurecht und auf berührende Weise) länger als die angehängten Blogtexte. Merci, Franziska Brunner, für das liebevolle Lektorieren der Berichte, das den «Groove» der einzelnen Texte immer unangetastet liess. Und Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, merci für Ihr Interesse!
Ja: Wenn alles gut geht, kehrt nun also nach und nach und vorsichtig vortastend vieles von dem zurück, was uns in den letzten Wochen so gefehlt hat. Ich wünsche Ihnen viel Freude dabei und daran. Ich wünsche Ihnen aber auch einen langen Atem. Die Gefahr bleibt, wahrscheinlich, für viele Monate. Neben dem Ungewissen bleibt aber hoffentlich auch dies: Dass wir miterleben und erfahren durften, was gelebte Solidarität, Hilfsbereitschaft und Mitgefühl bedeuten. Wie wir fähig sind, in Krisensituationen über uns hinauszuwachsen. Wie viele helfende Hände da sind, wenn man nach ihnen greifen muss. Und hoffentlich bleibt auch das Wissen darum, dass wir alles schaffen können, wenn wir Sorge tragen zueinander und füreinander da sind.
Schauen Sie weiterhin gut zu sich, schauen Sie gut zueinander – bleiben Sie gesund. Und: Bleiben wir «beisammen»!
Den Anfang des «Lockdown» fand ich eigentlich ganz entspannt. Als Masterstudent im letzten Jahr bin ich mir Home Office bis zu einem gewissen Grad gewohnt. Nach einem Monat wurde aber auch ich immer ungeduldiger; ich denke, das war bei den meisten so. Mit zwei, drei Freunden hatte ich mich auch in der Corona-Zeit ab und zu getroffen, ansonsten war ich mit meinem Vater zusammen im Home Office. Nach ein paar Wochen hatten wir einen festen Alltag, der immer etwa gleich aussah. Dann, gegen Ende April, wurde es spannend: Ich wurde in den Zivilschutz eingezogen. Bis jetzt hatte ich zwei Einsätze in zwei verschiedenen Altersheimen. Von dort ein paar Gedanken und Beobachtungen:
Die Liebsten nicht sehen und viel zuhause zu sein, dies machte in der letzten Zeit vielen Menschen zu schaffen. Aber wie geht es wohl Angehörigen oder Menschen, die nicht wissen, OB sie ihre Freunde und Verwandten überhaupt nochmals sehen? Als in den Altersheimen die Besuche ab Anfang Mai wieder erlaubt wurden, hörte ich dies doch einige Male. Die Besucher*innen freuten sich sehr ihre Partner, Eltern oder Grosseltern wieder besuchen zu dürfen. Sie freuten sich, dass der Virus nicht ausgebrochen war. Die Angst, dass der oder die Angehörige stirbt, war bei vielen Besuchern real. Im Nachhinein ist in den Altersheimen oft alles glimpflich verlaufen bis jetzt, aber die Gefahr ist natürlich noch lange nicht überstanden! Die Besucher*innen verstehen aus meiner Erfahrung zu 95 % die Schutzmassnahmen und sind damit einverstanden (keine Besuche, jetzt nur wenige Besuche unter strengen Auflagen). Mit sinkenden Fallzahlen schwindet dieses Verständnis aber langsam und stetig. Am letzten Wochenende gab es Besucher*innen, die sich über Masken oder sonstige Extras wegen Corona lustig machten. Nicht böse oder mit Nachdruck, aber sie hätten wohl die Schutzmaske nicht angezogen, wenn sie nicht von uns Zivilschützern «gezwungen» worden wären. Viele stellten auch die Schutzkonzepte des Altersheims in Frage, weil sie eine Schwachstelle ausfindig gemacht hatten. «Dann bringt’s ja auch nicht viel, wenn ich die Maske trage, und sowieso ich bin gesund.» Dazu drei persönliche Gedanken:
Jedes Schutzkonzept hat Mängel, menschliche «Dinge» sind eigentlich nie perfekt. Aber das müssen sie auch nicht sein. Es reicht, wenn etwas so gut wie möglich ist.
Wenn man persönlich so denkt, ist das irgendwie okay. Man ist schliesslich für sich selber verantwortlich und falls man an Corona erkrankt und noch unter 70 Jahren ist, hat man ja ganz gute Überlebenschancen in der Schweiz. Aber in einem Altersheim ist es eben schon etwas anders.
Das Altersheim trägt Verantwortung, genau wie die Bewohnerinnen und Bewohner selbst auch; die Verantwortung ist geteilt. Zudem ist der Einsatz in einer solchen Institution um ein Vielfaches höher. Bei einem Gespräch mit einem Heimleiter habe ich erfahren, dass in einem Altersheim im Zürcher Oberland von 18 Infizierten neun gestorben sind. Ich habe das nicht nachrecherchiert, aber ich glaube ihm. Hört man solche Beispiele, versteht man gut, dass die Heime in Bezug auf Besucher sehr vorsichtig sind.
Übrigens: In den Altersheimen, in denen ich war, wurden die Bewohner*innen sehr gut betreut und überhaupt nicht «eingesperrt». Lediglich der fehlende Besuch von aussen während mehrerer Wochen machte ihnen zu schaffen. Aber auf dem Gelände selbst war es für die Bewohner*innen relativ entspannt und sie haben auch toll mitgemacht. Immer wenn sie zurück ins Gebäude kamen, desinfizierten sie ihre Hände usw. Die meisten verstehen, was alles für ihre Sicherheit getan wird und wissen es auch auf eine Art zu schätzen. Aber klar, auch im Altersheim gibt es verschiedene Meinungen und es wird diskutiert.
Die von mir unterstützten Altersheime managen die Krise beide gut: Da wünscht man sich, dass das Verständnis für allfällige Umstände beim Besuch der Liebsten hoch bleibt und nicht langsam wegerodiert.
Hannes Tobler, Betreuer im Zivilschutz, Unterlunkhofen
Vor unzähligen Jahren stand ein Ordner mit dem Titel WAKINOTU in den Gestellen des biz (Berufsinformationszentrum). WAKINOTU war die Abkürzung für «Was könnte ich noch tun?» Ein buntes Sammelsurium an beruflichen Weiterbildungsmöglichkeiten und Ideen für Nischentätigkeiten steckte in diesem fremdländisch klingenden Namen.
WAKINOTU und Corona. Was könnte ich noch tun in dieser Corona-Zeit? Diese Fragen stelle ich mir oft in diesen Tagen, die meist unspektakulär dahinplätschern. Es gibt im Haus und im Garten eine Menge zu tun. Doch woher nehme ich die Lust und den Elan dazu? Ich bewundere z.B. eine Nachbarin, der es auch jetzt nie langweilig ist. Das könnte ich von mir nicht mehr behaupten, obschon ich anfangs die Stille und meine kleine Welt freudig erlebte und die Blockade als grosse Chance für alles Mögliche sah. Ich entdeckte u.a. Neuland beim Steinebemalen und Singen am Computer. Doch mit der Zeit erlahmte auch diese anfängliche Begeisterung, als sie immer mehr zur Routine wurde und gegen 50 bemalte Steine auf dem Gartenmäuerchen prangten.
Gegenwärtig trödle ich oft herum, bin lust- und tatenlos, konsumiere unzählige Nachrichten im Internet, schreibe Mails, bin oft auf WhatsApp und esse viel zu viel. Hin und wieder telefoniere ich mit Freundinnen und Bekannten. Doch was gibt es zu berichten? Eigentlich wenig, weil die reizarmen Tage sich wie Dominosteine aneinanderreihen, ausser ich mache mich auf die Suche nach etwas, das mich in den Bann zieht, oder ich stolpere über etwas, das meine ungeteilte Aufmerksamkeit auslöst. In etwas Neues versunken sein, mich inspiriert und lebendig fühlen, lässt den Tag plötzlich spannend werden. Ich webe dann konkret an einer Art von Sehnsuchtsbild, in welchem ich hoffentlich bald wieder unbeschwert meine lieben Menschen persönlich sehen und Erlebnisse mit ihnen teilen kann. In diesem Bild spiegelt sich auch mein allgegenwärtiges Kopfkino, in dem verschiedene Filme manchmal gleichzeitig abspulen. So wie vor kurzem in der Badewanne, wo ich mich vor allem bei Regenwetter gern und lange aufhalte und die WAKINOTU-Idee ihren Ursprung hatte. Flossen wachsen mir zwar nicht dabei, doch das ausgedehnte Baden in der Wanne ist ein schöner Ersatz für das Thermalbaden und das Schwimmen. Ich liebe das Wasser.
Mein Tagebuch habe ich ebenfalls entstaubt und schreibe ab und zu wieder einmal von Hand ein paar Gedanken auf. Das geschieht besonders abends auf der warmen Steinbank an der Hauswand gegen Westen. Bei diesen Einträgen geht es vor allem um Naturbeobachtungen. Ich zelebriere seit Jahren gern den Übergang vom Tag zur Nacht.
Schreiben ist für mich nach wie vor eine gute Möglichkeit, vagabundierenden Gedanken eine Form, ein Gefäss zu geben. Allerdings muss ich meine aufblitzenden Ideen gleich notieren, ehe sie sich wieder verflüchtigen oder meine allzeit bereite kritische Betrachtung sie zunichte macht. Und so wird sich vielleicht einer meiner nächsten Einträge im Tagebuch mit der Frage auseinandersetzen, was ich noch tun könnte, bis es uns wieder möglich ist, ein paar nächste Schritte in Richtung Normalität zu tun: WAKINOTU? Und wie sieht es bei Ihnen aus – «Was können Sie noch tun?»
Meine Schwester erkrankte an Covid-19. Ich möchte heute darüber berichten, wie ich ihren Krankheitsverlauf aus der Ferne miterlebt habe:
Meine Schwester, Diakonissin, 57 Jahre alt, lebt und arbeitet in einem Alters- und Pflegeheim in Basel und wurde am 21. März positiv auf Covid-19 getestet. Sofort zog sie sich vor Ort in ein Isolierzimmer zurück. Das Essen wurde ihr vor das Zimmer gestellt und Besuche waren natürlich nicht erlaubt.
Zu Beginn ihrer Erkrankung fühlte sie sich müde, hatte leichten Husten und Fieber. Vom Alter her gehört sie nicht zur Risikogruppe und so machten wir uns zu Beginn keine grossen Sorgen. Bald aber stieg das Fieber stark an, sie hatte keinen Appetit mehr, trank viel zu wenig (sie war sogar dazu zu müde ) und ein Arzt musste gerufen werden. Mehrere Infusionen wurden alsdann nötig.
Mich machte der Umstand, nicht helfen zu können, enorm hilflos und traurig. Wir konnten meiner Schwester nicht vor Ort unterstützend zur Seite stehen, sie nicht animieren, zu trinken…ja, sogar telefonieren war ihr teilweise zu viel. Sie war alleine im Zimmer gefangen, isoliert und fühlte sich sehr schlecht. Schön, hat meine Schwester einen tiefen Glauben und war während dieser ganzen Zeit doch nicht allein. Sie hat die Krankheit dank den Infusionen überstanden, gerät aber heute noch bei der kleinsten Anstrengung schnell ausser Atem.
Nach rund drei Wochen haben wir meine Schwester in Basel mit sicherem Abstand (ausser Haus) besucht und den persönlichen Austausch sehr genossen. Auch wenn ihr Körper Antikörper aufweist, ist nicht sicher, ob das Virus doch nochmals eingefangen und auch wieder weitergegeben werden kann. Deshalb gilt weiterhin für alle: Hände waschen und einen gewissen Abstand halten.
Brigitte Schweizer, Arni
Nachfolgend der Bericht aus der Sicht meiner Schwester:
Corona-Virus positiv erlebt
JA, ich kann persönlich mitreden, da ich selber eine Woche mit dem Virus und mit Infusionen im Bett verbracht habe. In dieser Zeit erlebte ich Schwachheit, Hilflosigkeit, Abhängigkeit, Verwundbarkeit und eine grosse Müdigkeit. Was soll daran positiv sein?
Nach einer Woche ohne feste Nahrung zu erleben, wie köstlich, saftig und süss eine Orange oder eine einzelne gekochte Kartoffel schmeckt. In der Isolation die Ruhe zu geniessen und dann die erste Begegnung mit einer Mitschwester, die ich seit über drei Wochen nur telefonisch gesprochen hatte.
Auch der Moment, als die Isolation vom Gesundheitsdepartement offiziell aufgehoben wurde und ich mir überlegte, wen ich informieren soll und wann ich wieder mitten in die Welt zurückkehren soll. Es war ein heiliger Moment und kostbar, etwas wieder aufzugeben und herzugeben.
Während der Isolation in einem fremden Zimmer begleitete mich ein Kreuz (Schatten und Licht der Natur) in die Nacht hinein. So erlebte ich, dass Jesus da ist und mich begleitet. Während der drei Wochen in Quarantäne und Isolation habe ich in der Gesellschaft viel verpasst und den Anschluss irgendwie verloren, aber ich habe auch eine Seite entdeckt, die ich nicht mehr missen möchte: Nach der Isolation erlebte ich den Alltag ruhiger, Begegnungen im Quartier auch auf Distanz haben Platz, man hilft einander im Quartier und kauft füreinander ein (selber erlebt). Blumen werden von Nachbarn geschickt, ein Konzert auf der Strasse wurde angeboten, kreative WhatsApp-Filme, die weitergeschickt wurden etc. (Ich kann nun selber einen Mundschutz herstellen).
Ich kann Menschen beratend zur Seite stehen. Bei meinen langsamen Spaziergängen (bis ich wieder zu Kräften kam) den Frühling im Quartier entdecken, die verschiedenen Vogelstimmen geniessen und neue Leute kennenlernen. Das Virus hat mich sensibler gemacht, was ich als sehr positiv erlebe. Ich wünsche Ihnen nicht das Coronavirus, aber das Entdecken von Neuem, ganz Einfachem, geniessen Sie die nächste Orange oder Kartoffel.
Sr. Beatrice Schweizer, ehemalige Heimleiterin Ländli Basel und jetzt Leitung von Projekten im Ländli Basel
In dieser schwierigen Zeit habe ich einige Texte und Artikel zum Thema «Wieviel ist ein Menschenleben wert» gelesen. Da ist von einem Unternehmer die Rede, welcher aus verständlichem Zweifel das Öffnen seiner eigenen Branche fordert und in den Gegensatz zu verstorbenen Menschen stellt. Da nehmen Menschen die schreckliche Erkrankung mit eventueller Todesfolge in «Kauf», um aus verständlichen Gründen die Wirtschaft anzukurbeln. Da gibt es eine Landesregierung, der Bundesrat, die mit aller erdenklicher Mühe, mit vereinten Kräften, alles das zu verhindern und vermeiden versucht. Da komme ich mir oft wie im falschen Film vor. Das höchste und kostbarste Gut – Leben und Gesundheit.
Ich habe in Doppelbesatzung bis vor kurzem jahrelang Edelmetalle und Bodenschätze wie Gold im Tonnenbereich schweizweit transportiert. Eine spannende und anspruchsvolle Aufgabe, diese wunderschönen Wertstoffe an künftige Besitzer «on time» zu transportieren. Einen Warenwert von vielen Batzen. Mit diesem anvertrauten Warenwert wären für viele und mich viele monetäre Probleme in kurzer Zeit gelöst worden.
Seit kurzer Zeit fahre ich noch etwas viel, viel Kostbareres und Einzigartiges: Menschen wie Sie und ich im Linienbus. Ich habe keinen Lieferschein mit Warenwert – Ich habe keine Gewichtsangabe – Ich habe keine Angaben betreffend gefährlicher Güter.
Ich darf einzigartige Menschen, gross und klein, jung und alt, alle Hautfarben, Frauen und Männer, mit dem Bus befördern. Und glauben Sie mir, auch in der schwierigen Corona-Zeit habe ich mich nie gefragt, wie hoch der Wert meiner Fahrgäste ist.
Sie und ich kennen jetzt die Antwort – Menschenleben sind mehr als Gold wert.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen kerngesunde Gesundheit und Seelenfrieden.
Aufstehen, morgen-fit auf Tele Basel, joggen, spazieren und Stellensuche. Neben dem Lesen habe ich die Freude am Frieden abseits vom Arbeitsalltag wiedergefunden. Es ist viel weniger Hektik und mehr Zuneigung zu spüren. Neben der aktiv gelebten Solidarität mit älteren Leuten probiere ich, Missstände in meiner Wohnung zu beseitigen. Dies kann das Entsorgen von alten Büchern oder das Reinigen des Treppenhauses sein. Das Erfüllen von Wünschen aus meinem Bekanntenkreis oder die Inanspruchnahme von Dienstleistungen. Ja, das Coronavirus ist uns allgegenwärtig, wenn wir es nur ins Positive lenken könnten.
Der Raps blüht – Störche kreisen über den Feldern nahe der Reuss. Weiter südlich ragen die Voralpen gen Himmel. Ich tuckere mit unserem «Büssli» durchs Kelleramt und schätze dessen Schönheit und Natur. Eigentlich halte ich aber Ausschau nach jungen Menschen. Meine Aufgabe als Jugendarbeiter im Kelleramt hat sich mit der Corona-Krise verändert. Vor Corona hatte ich mitunter zum Ziel, Jugendliche zu Interaktion mit anderen Menschen zu motivieren, um in verschiedenen Settings etwa Sozial- und Selbstkompetenzen fördern zu können. Nun fasse ich die Aufgabe, Jugendliche auf das aktuelle Problem zu sensibilisieren und ihnen nahe zu legen, möglichst keine Menschen zu treffen.
Ich treffe in diesen Zeiten auch höchst selten auf Jugendliche im öffentlichen Raum. Viele scheinen die Regeln zu akzeptieren. Von zuhause aus gebe ich mir Mühe, ihnen sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten aufzuzeigen. So stellen mein Mitarbeiter Thomas Meier und ich regelmässig Vorschläge rund ums Kochen und verschiedene Bastelarbeiten online, welche wir Schritt für Schritt dokumentieren und dann auf Instagram teilen. Wir lancierten einen Zeichnungs-Wettbewerb und krönten das Gewinnerbild, indem wir es nun als Sticker drucken liessen. Wir telefonieren mit Jugendlichen, spielen online Montagsmaler und so weiter und so fort. Doch je länger diese Situation andauert, desto mehr zweifle ich an der Wirkung unseres aktuellen Tuns. Normalerweise geben wir uns grosse Mühe, den Jugendlichen spannende Alternativen zur virtuellen Welt zu bieten. Nun ist die virtuelle Welt der Weg, den es zu gehen gilt. Sie ersetzt die reale Welt, den direkten Kontakt und die mündlichen Gespräche nicht. Ich kann nicht beurteilen, welche Wirkung unser virtuelles Handeln erzielt. Instagram ist vielfältig und schnelllebig. Wer hat versucht, die Ostereier ebenso zu färben, wie wir es vorgezeigt haben? Wer hatte Freude dabei und hat vielleicht gar etwas gelernt? Ich weiss es nicht und die 30 Likes, die wir auf Instagram für die Anleitung erhalten haben, helfen mir auch nicht weiter.
Ich vermisse meine Arbeit im Jugendtreff und auf den Pausenhöfen mit dem Jugendmobil. Ich glaube, dass im Kelleramt sehr viele Kinder und Jugendliche von deren Eltern gut betreut und beschäftigt werden. Wir dürfen uns glücklich schätzen, in einer Welt zu leben, in der auch mit Corona Vieles in Ordnung ist. Ich freue mich über die Solidarität der Menschen, die durch die Krise mehr und mehr entfaltet wurde, und hoffe, davon bleibt auch nach der Krise etwas hängen.
Ich wünsche der gesamten Bevölkerung viel Durchhaltevermögen und Gesundheit! Die Jugendarbeit Kelleramt freut sich, möglichst bald auch wieder «offline» für Ihre Kinder da zu sein!
Seit fünf Wochen fahre ich jeweils zwei Mal pro Woche mit dem Auto direkt vor das Standesamt in Zürich. Dort hat es immer freie Parkplätze in Gehdistanz zu meiner Gemeinschafts-Praxis im Niederdorf, wo ich als Psychotherapeutin arbeite. Seit dem Ausbruch des Coronavirus bin ich vorübergehend Besitzerin einer Parkkarte, welche den im Gesundheitswesen tätigen Personen erlaubt, kostenfrei in der Stadt Zürich zu parkieren. Ein rares Gut und ein schönes Stück Solidarität, finde ich.
Eine der Fragen, die mich zu Beginn von Corona beschäftigt haben, war, ob ich überhaupt noch arbeiten darf? Die Antwort darauf war ja, für dringende Fälle ist die Fortführung der Psychotherapie empfohlen. Bei der Definition der Dringlichkeit gibt es natürlich einen grossen Ermessenspielraum, bei welchem die Vernunft des Therapeuten sowie die Kulanz der Krankenkassen gefragt sind.
Für mich hat sich bei der Arbeit insbesondere geändert, dass ich mehr Zeit mit der Desinfektion von Sesseln, Türklinken und Händen verbringe. Weiter ist das Begrüssungs- und Verabschiedungsritual vom Händeschütteln zum Händedesinfizieren übergegangen. Der Abstand zwischen den Stühlen ist auf zwei Meter fixiert. Das Wartezimmer ist meist leer oder von nur einer Person belegt und es gibt keine Magazine mehr zum Lesen.
Weiter ist neu, dass ich etwa ein Drittel der Gespräche via Videotelefonie durchführe. Für mich als Therapeutin ist der Kontakt online mit den Patienten viel anstrengender, da ich meine Sinneskanäle mehr aktivieren muss, um den Patienten über die Distanz zu erfassen. Auch empfinde ich die Therapie als weniger befriedigend, weil ich den Effekt nicht 1:1 mitbekomme. Zudem ist mir aufgefallen, dass es für einige Patienten schwieriger ist, sich auf die Sitzungen einzulassen, weil sie aus dem Home Office direkt in die Therapie switchen und danach wieder zurück. Trotzdem gebe ich zu, dass die Online-Therapien erstaunlich besser funktionieren als erwartet.
Die Patienten, welche nach wie vor in die Praxis kommen, sind sehr froh über den «Live»-Kontakt, da einige sehr einsam oder das Gegenteil, nämlich überflutet mit Home Office/ Home Schooling/ Haushalt und Partner sind. Diese Personen sind sehr froh darüber, sich etwas Zeit zu stehlen, wo es zur Abwechslung mal um sie geht.
Die Themen, welche die Patienten beschäftigt haben, sind eigentlich die gleichen wie vor der Coronakrise, einfach akzentuierter. Für einige hat die Entschleunigung des Home Office eine vertiefte Auseinandersetzung mit vorher nicht zugänglichen Themen ermöglicht. Für andere hat der Stress bei der Arbeit durch Corona massiv zugenommen und dazu geführt, dass sie sich keine Zeit für die Therapie rausnehmen konnten.
Viele Patienten beschreiben sich in der aktuellen Situation als rascher überflutet und reizbarer, was mit der dauernd latenten Bedrohung des Corona-Virus in Zusammenhang stehen kann, welche unser vegetatives Nervensystem auf Trab hält. Die Patienten reagieren empfindlicher, geraten mehr aneinander, fühlen sich unausgeglichener und innerlich unruhig. Die oftmals räumliche Enge des Home Office und die dauernde Ablenkung helfen auch nicht dabei, ein Gefühl von Orientierung und Kontrolle herzustellen.
Für viele Patienten ist die Arbeit mit Abgrenzung in dieser Zeit sehr hilfreich, um wieder mehr ein Gefühl von Orientierung und Kontrolle zu erhalten. Dazu gibt es eine kleine Übung, die auch Sie gut zu Hause machen können: Suchen Sie sich einen ruhigen Ort und lesen Sie die untenstehenden ausgewählten Sätze durch und achten Sie darauf, welche bei Ihnen etwas auslösen, einen tiefen Seufzer zum Beispiel oder ein Gefühl der Entlastung. Manchmal braucht es auch ein paar Durchläufe, um etwas zu spüren. Auch wenn Sie nichts spüren, ist das absolut in Ordnung. Diese sogenannten «Agency Mantras» helfen vielen meiner Patienten, um sich die Erlaubnis zu geben, ihren Eigenraum wieder zu spüren.
Mantras für Abgrenzung
Ich bin nicht egoistisch, wenn ich an mich selbst denke oder in meinem eigenen Interesse handle. Damit sorge ich gut für mich selbst.
Ich habe ein Recht auf meinen Körper, auf meinen eigenen Raum. Ich habe ein Recht auf meine Bedürfnisse, Wünsche und Träume und ich habe ein Recht darauf, diese zum Ausdruck zu bringen oder für mich zu behalten.
Ich habe ein Recht, mich gut zu fühlen, auch dann, wenn es anderen gerade nicht gut geht. Mit meinem Mich-gut-fühlen nehme ich niemandem etwas weg.
Ich habe ein Recht auf meine eigene Seele und meine eigene Bestimmung, selbst wenn andere nicht zustimmen.
Ich verlasse mich nicht selbst in dem Moment, wo ich meine Unterstützung am meisten brauche.
Wir alle ahnten es bereits, nur spruchreif wurde es erst am 13. März um 16.00 Uhr: Die landesweite Schulschliessung wurde vom Bundesrat bekannt gegeben.
Was hiess dies nun für mich, meine Schule, mein Team, unsere Schülerinnen und Schüler, die Eltern? Von einem Moment auf den anderen waren wir alle mit einer völlig neuen Realität konfrontiert. Schule zu Hause, keine Kinder mehr in den Schulzimmern, im Schulhausgang, auf dem Pausenplatz. Das Schulhaus ist verwaist und ist still geworden, eigentlich zu still. Gleichzeitig wird darin gearbeitet, nachgedacht, geplant, wie kaum zuvor.
Unser grösstes Anliegen war es von Beginn weg und ist es immer noch, die Kinder, aber auch die Eltern, zu unterstützen und gleichzeitig auch in irgendeiner Form weiterzubringen.
«Die Menschen, welche an einer Schule arbeiten, sind die erwachsenen Personen, auf welche sich Kinder und Jugendliche verlassen können. Sie sind immer da, wenn man in die Schule kommt, ob man sie mag oder nicht. Aber auf sie ist Verlass.»
Und plötzlich war dieser Kontakt unterbrochen. So war es unser aller Anliegen, diese Verbindung schon schnell, so schnell wie halt möglich, wiederherzustellen.
Während draussen der Frühling alles zum Blühen brachten, blühten täglich neue Schultools auf und brachten mein Schulleiterinnen-Mailaccount beinahe zum Erliegen.
Die Auseinandersetzung mit diesen Angeboten machte uns aber bald klar: Es geht nicht um das beste Tool, sondern es geht um den Dialog zwischen den Menschen, welcher gerade jetzt nicht abbrechen darf. Der verlässliche Dialog zwischen den Kindern und den Lehrerinnen, der Dialog unter den Kindern und auch der verlässliche Dialog zwischen der Schule und den Eltern.
Der Dialog gelingt… Die Kinder schreiben und beantworten Mails, die Eltern schicken Grussbotschaften und Fragen nach. Über das Internet werden Ideen ausgetauscht, virtuelle Pausen werden von den Kindern selbst organisiert und wir als Team freuen uns über die wöchentlichen virtuellen Sitzungen, welche zwar unglaublich ermüdend sind, uns einander aber auch näherbringen.
Wir rücken in der Distanz näher zusammen, halten den Dialog aufrecht. Dieser wird intensiver, ernsthafter und mit viel Wohlwollen gepflegt.
Die Fermate (Italienischfür «fermare»‚ anhalten) ist in der Musik ein Ruhezeichen. Früher wurde dieses Zeichen auch Corona genannt. Ein Moment des Innehaltens in der Bewegung ist angesagt.
Nun hoffe ich, es gelingt uns aus diesem Moment des Innehaltens Energie und auch Kraft zu schöpfen, um im Dialog zu bleiben auch während der Zeit danach.